artist-deutsch2017-12-16T22:54:26+00:00

PARK, Young La

Künstlerin

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Spezifische Objekte

Linie. Sie kommt in allen Dingen der Welt vor, die entstehen, wachsen, sich entwickeln und verschwinden sowie eine Spur hinterlassen. Sie ist überall, sowohl im Berg als auch im Wasser; im Licht und in den Gesichtszügen der Menschen; im Gebäude und im Gegenstand.
Jede Linie ist dabei einzigartig. Sie besitzt eine in sich eigene und spezifische Ordnung und Richtform. Je nachdem wie sie wirkt, wird jedes Ding in Erscheinung treten wie es ist.
Die Linien der Welt sind aber nicht selbständig. Sie schreiben allem Existierenden das optische Attribut zu. Keine Linie hat einen eigenen Namen, jede Linie wird über den Begriff und die Identität des Wesens definiert und benannt, das sie attribuiert; wie zum Beispiel ‚das schimmernde Licht’, ‚die hohe Welle’, ‚der zufriedene Gesichtszug’ oder ‚die geometrische Fluchtlinie eines Raumes’ etc.
Meine Linie soll nicht mehr als Attribut dienen, sondern vollkommen selbstständig existieren. Sie soll ein spezifisches Wesen mit eigenem Begriff und eigener Identität sein.
Ich stelle die Linie selbst dar, anstatt Wellen, Licht, Gesichtszüge oder Fluchtlinien nachzumalen. Mein Objekt ist die Linie. Im Bildraum kann die Linie so als Linie schlechthin sein. Um die Identität meiner Linienobjekte nachzuweisen, lade ich in den Bildraum eine Leere ein. Im leeren Bildraum halten Objekte an oder gehen vorbei; sie streiten miteinander oder versenken sich ineinander; sie machen sich wichtig oder hängen herum; sie rücken nach oben oder verschwinden.
Meine Objekte aus Linien sind rein optisch. Sie existieren lediglich in meiner optischen Welt, innerhalb meines Bildraums. Sie sind Illusion. Scheinbar widersprüchlich sind sie zugleich auf der Bildoberfläche als gemalte Linien real vorhanden. Aber gerade im Spannungsfeld zwischen rein optischer Illusion und realem Wesen begegne ich immer wieder den spezifischen Objekten;
den Linien, die für sich selbst sprechen.